be ru en de

Die Schule für Scherenschnitt in Molodečno

„…Der besondere Charakter des modernen weißrussischen Scherenschnitts prägt in großem Umfang das Schaffen der Künstler, welche sich professionell damit beschäftigen und so die Richtung seiner Entwicklung bestimmen. Besonders klar vertreten diese Richung Künstler der schon oben genannten Schule für Scherenschnitt in Molodečno das sind die Absolventen der örtlichen Kunstschule für Kinder und Jugendliche und der Kunsthandwerksabteilung der Oginskij-Musik- und Kunstschule. … Ihre Werke sind nicht selten Maßstab für viele junge Künstler und bestimmen den Charakter und die nationale Besonderheit des modernen weißrussischen Scherenschnitts.“ 

J. M. Sachuta, Doktor der Kunstgeschichte, Professor, Preisträger der „Staatsprämie der Weißrussischen Republik“ (Gosudarstvennaja premija Respubliki Belarus’) 

Der Scherenschnitt ist eine der ältesten Erscheinungsformen des Kunsthandwerks, welcher dank der Erfindung des Papiers zuerst in China entstand. Die Technologie der Papierherstellung wurde mit der Zeit auch in anderen Ländern bekannt, zuerst in den Nachbarländern Japan, Korea, Indonesien und dann in weiter entfernten: in Persien, der Türkei und den Ländern Europas. Im Gebiet des heutigen Weißrusslands gab es 1601 in Smorgon eine Papierfabrik. Vom Bestehen solcher Papierwerkstätten zeugen auch in anderen Regionen des Landes die Dorfnamen, so z.B. „Papernja“. 

Ab dem 16.Jh. begann sich in Weißrussland unter Adligen das Ausschneiden von Silhouetten (schwarz-weißen, realistischen Abbildern von Menschen, Naturmotiven, Alltagsszenen) zu verbreiten. Der Scherenschnitt im einfachen Volk unterschied sich von diesen Silhouetten durch die Herstellungstechnik. Wahrscheinlich war der erste „Scherenschnitt“ in dem Gebiet des Großherzogtums Litauen (Velikoe knjažestvo Litovskoe) dem späteren Polen-Litauen ein Schutzpapier (ein schmuckvolles Papier zum Schützen von Wachs- und Lacksiegeln auf Dokumenten), welches vom Ende des 16. bis zum Beginn des 19. Jh. existierte. Schutzpapiere hatten die Form eines Rhombus oder einer Rosette. Dafür wurde ein Stück Papier viermal gefaltet und in die Ränder wurden verschiedenförmige Zacken hineingeschnitten. 

Mit der Zeit wurde Papier auch für das einfache Volk zugänglich. Es wurden die Wände in den Häusern, Fenster, Möbel und Ikonen verziert. Man schnitt Gardinen, Servietten, Blumen, Spitzen-Bänder, Kopfbedeckungen, Weihnachtssterne und Lampenschirme aus. Motive für den Scherenschnitt wurden oft aus der Weberei, der Stickerei, der Keramik, dem Holzschnitt genommen und brachten ihren Symbolgehalt mit („Baum des Lebens“, „Frauenschicksal“, der Vogel als Symbol für die menschliche Seele u.a.). Mit der Zeit verlor sich jedoch der ursprüngliche Symbolgehalt. Heute existieren moderne Begriffe, wie „Stern“, „Sonne“, „Blume“, „Schneeflocke“, „Vase“, „Vogel“, „Hahn“ und andere. Mit der Zeit wurde der Scherenschnitt von Fabrikerzeugnissen aus den Häusern verdrängt. Damit geriet er in Vergessenheit. Ein neuer „Wind“ kam in der ersten Hälfte des 20. Jh. auf, aber darauf folgte sein nahezu vollständiges Verschwinden.

- " ֲʲ"

 
- GREEN media